Was bleibt?

Von einem kleinen, aber gemütlichen Haus schlendere ich durch die Straßen. Fahre mit dem Bus am Gamla Ullevi Stadion und dem Liseberg vorbei, ehe ich am Bahnhof aussteige. Ich schlendere durch die Straßen in Begleitung einer Frau, die etwas größer ist als ich. Zu meiner linken geht ebenfalls eine Frau. Sie ist klein und zierlich. Molly und Juni heißen die beiden. Keiner sagt ein Wort. Ich genieße die Stille. Die Ruhe. Und doch ist es ruhig. Viel zu ruhig. Irgendetwas fehlt.Wir sind mittlerweile am Kungsportplatsen angelangt. Nun in Richtung Götaplatsen unterwegs und bleiben dort eine Weile. Noch immer sagt niemand ein Wort.Die Leute hier sind viel entspannter als in mach anderen Ländern. Kein Stress, keine Hektik. Einfach nur Stille und Entspanntheit.Nach feiern ist niemandem zumute. Juni starrt auf einen Häuserblock und flüstert nach einiger Zeit: "Als wäre das Glück der Welt ausgelöscht worden..." Gefolgt von einigen leisen Schluchzern. Molly blickt traurig zu Boden, legt die Hand auf Juni's Schulter. "Sie fehlt mir. Sie fehlt mir auch", sagt Molly an uns gerichtet. "Finja..." flüstere ich. Es fühlt sich merkwürdig an, an ihren Lieblingsplätzen hier in Göteborg zu sein. Gleich kommt sie um die Ecke zu uns an die Bushaltestelle, spricht: "Hej da! Guckt doch nicht so traurig." Doch da ist niemand. Es kommt niemand. Finja ist fort. Meine kleine Schwester, nicht in biologischem Sinne, ist gestorben. Richtig fassen können das weder Juni, ihre Cousine, ihre Tante Molly noch ich.Gleich spielt Schweden gegen Belgien. Viele Fans in gelben Sachen ziehen an uns vorbei, rufen "Heja Sverige!". Ich blicke auf meinen Schoß hinab. Dort liegt ein Trikot. Ein gelbes Trikot. Eines der schwedischen Nationalmannschaft. Juni trocknet sich die Tränen, malt sich anschließend schwedische Flaggen auf die Wangen. Noch immer sind wir hier an der Bushaltestelle Götaplatsen. Auch wenn niemandem nach feiern, nach Party oder guter Laune zumute ist, redet Juni: "Finja hätte gewollt, das wir weitermachen. Das wir dorthingehen."Juni redet vom Public Viewing hier am Bananpiren. "Du hast recht!", pflichet Molly ihr bei.Wir machen uns auf den Weg zum Public Viewing Ort. Es ist eine Fähre auf der wir nun sind. Mittlerweile habe auch ich mein Trikot an. Es ist Finja's Trikot. Auf der Rückseite ziert es den Nachnamen Ibrahimovic. Gerade muss ich daran denken, wie Finja mir von ihrer Begegnung mit ihrem Idol erzählte.Noch immer klingen mir ihre "Zlatan... Zlatan" Rufe im Ohr. Ich sehe ihr Bild vor mir. Eine dünne, zierliche Frau die voller Inbrust die Hymne mitsang. So voller Lebensfreude war, so viel Freude anstrahlte. Nun sitzen wir hier. Molly, Juni und ich. Doch niemand ist mehr da, der entusiastisch, frenetisch und voller inbrust die Hymne mitsingt. Finja's "Zlatan"-Sprechchöre sind verstummt. Für immer...

22.6.16 20:07

Letzte Einträge: Happy birthday! , Glam-Time, Eigentlich..., Schaurig schön oder gruselig oder so., Stitches

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(22.6.16 21:52)
Inspierierender Beitrag!


(23.6.16 19:25)
Tack så mycket!
Molly & Juni